Für Stop Fuelling War ist Frieden kein abstrakter Begriff, sondern etwas, das Einfluss auf unser tägliches Leben hat. Wir wollen eine andere als die herrschende Vision von Sicherheit fördern.

Heutzutage wird der Begriff Sicherheit sehr eng ausgelegt. In Friedensförderung und Konfliktprävention wird nicht so viel investiert, wie sie es verdienen. Eine aktive Politik der Konfliktprävention und des friedlichen Widerstands wird bestenfalls als naiv angesehen und sie wird, obwohl Beweise für das Gegenteil gut dokumentiert sind, in den meisten Fällen von den Regierungen als irrelevant betrachtet. (http://www.bbc.com/future/story/20190513-it-only-takes-35-of-people-to-change-the-world)

Es besteht die Neigung, „Verteidigung“ und „Sicherheit“ mit militärischer, polizeilicher und technischer Verteidigung, also mit Waffen und Waffensystemen, gleichzusetzen. Trotz den enormen Investitionen - Finanzierung und Forschung - in die Entwicklung und den Verkauf von Rüstungsgütern hat die Geschichte gezeigt, dass diese extrem teuren Systeme Konflikte verschärfen können und dass sie zu regionalen Spannungen, anstatt zur Sicherheit aller beizutragen.

Die Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung ist eine wichtige Aufgabe einer jeden Gesellschaft, aber Regierungen neigen dazu, diesen Begriff zu eng auszulegen. Tatsächlich gibt es für die meisten Sicherheitsrisiken keine kurzfristigen Lösungen, da sie auf zugrunde liegende langfristige Probleme und Bedrohungen wie Klimawandel, wirtschaftliche Ungleichheit, Ausgrenzung und Marginalisierung bestimmter Teile der Gesellschaft zurückzuführen sind. Zwar müssen physische Bedrohungen unmittelbar angegangen werden, doch die längerfristigen Probleme, die zu Konflikten führen, werden durch die gegenwärtige Konzentration auf Militarisierung nur beiseite geschoben und nicht gelöst. Die Geschichte lehrt uns, dass ein dauerhafter Frieden erst dann erreicht werden kann, wenn die zugrundeliegenden Ursachen beseitigt worden sind.

Seit Juni 2019 arbeitet einige von uns gemeinsam mit „Sicherheit neu denken“ für den Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik in Deutschland und andere Länder. Das Szenario „Sicherheit neu denken: von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ ist auf Deutsch mit kürze Fassungen auf Englisch, Französisch, Niederländisch hier zu finden:
https://www.sicherheitneudenken.de/sicherheit-neu-denken-unsere-vision/downloads/

Die britische Organisation „Rethinking Security“ bietet auf English eine vollständigere Zusammenfassung (https://rethinkingsecurity.org.uk/faqs/#top): „Wahre Sicherheit gibt es, wenn jeder seine Grundbedürfnisse befriedigen kann; das ist im öffentlichen Interesse. Aber der heute vorherrschende Ansatz basiert auf ‚nationalen Interessen‘, die von der Regierung definiert werden, und ist eher auf das Großkapital und eine kleine gesellschaftliche Elite ausgerichtet als auf die Menschen in ihren Gemeinschaften. [...] Über die Sicherheitsstrategie entscheidet eine kleine und exklusive Gruppe. Andere Menschen sind ausgeschlossen, auch die, denen die Strategie schadet.“

Für das Herstellen von Sicherheit ist ein großer Zeitaufwand notwendig, denn es gibt keine schnellen Lösungen. Das Erreichen von nachhaltiger Sicherheit erfordert Zusammenarbeit, Geld und viel Arbeit. Jeder Konflikt ist einzigartig und verlangt deshalb seine eigene, ihm angemessene und zweckmäßige Lösungen.

Der Ausschluss oder die Marginalisierung eines Teils der Bevölkerung kann Spannungen verschärfen oder zur Entrechtung dieser Gruppen und letztlich zum Scheitern der Friedensbemühungen führen.